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Freunde im Andersleben

Raus aus dem psychischen und gesellschaftlichen Chaos oder weiter so?

Wir wollen gut leben. Doch es gibt Hindernisse, die verstanden werden müssen:

Erstens: wir haben Angst vor der Zukunft. Zweitens: wir haben Angst vor den anderen Menschen. Diese beiden psychischen Mechanismen bringen Unzufriedenheit und Unglücklichsein, Langeweile und Enttäuschungen in unser Leben und erzeugen das Gegeneinander.

Beide Grundängste sind miteinander verbunden und haben ein unendlich großes Geflecht von Problemen und Verhaltensweisen, von Angst und Gier erschaffen. Das „Transportmittel“ der Probleme ist das emotionsgesteuerte Denken. Es bleibt nicht bei den Tatsachen, sondern kreist um Vorstellungen, was sein sollte.

Da wir auf das, wie wir es gern hätten oder was wir gern vermeiden möchten, durch Konditionierung programmiert sind, können wir das damit verbundene emotionsgesteuerte Denken nicht abstellen oder unterdrücken. Wenn wir unsere Gedanken und Gefühle wahrnehmen, können wir empfinden, wie die Angst vor der Zukunft und vor den anderen Menschen Leid produziert. Im Moment, wenn uns dies vollständig bewusst wird, hört es von allein auf. Allerdings haben wir erhebliche Widerstände, tatsächlich zu merken, wie wir funktionieren. Dabei können wir uns gegenseitig helfen. Lasst uns gemeinsam experimentieren.

Drei Hinweise zur Entfaltung der Empfindsamkeit:

1. Ich achte darauf, wenn ich über meine Zukunft und Vergangenheit nachdenke.

Die gedankliche Beschäftigung mit Vergangenheit und Zukunft wird oft zu einer Flucht aus der Gegenwart. Wenn wir etwas Schönes aus der Vergangenheit, das wir erlebt haben, festhalten oder wiederholen wollen, entsteht Unzufriedenheit, weil wir doch die Vergangenheit nicht erhalten können. Wenn wir uns mit den unangenehmen Erinnerungen beschäftigen, damit uns nicht dasselbe noch einmal geschieht, erzeugen wir eine Angst vor der Zukunft. Doch wir können die Zukunft nicht unserer Kontrolle unterwerfen.

Das in der Vergangenheit Unerledigte, das sich als schlimme Erinnerung an die Vergangenheit oder als Angst vor der Zukunft zeigt, will allerdings gesehen und gefühlt werden, damit es in unserem Gehirn integriert werden kann und damit Ruhe geben kann. Jedes Nachdenken darüber durch Interpretieren, Begründen, Rechtfertigen, Bestreiten usw. verhindert hingegen die Wahrnehmung der aktuellen Empfindung.

Kann ich mir erst einmal bewusst werden, dass ich die Zukunft gar nicht kenne, wenn ein sorgenvoller Gedanke an die Zukunft aufsteigt? Dann schaue ich nämlich genauer auf die aktuelle Situation, die diesen Zukunftsgedanken hervorgebracht hat.

Stehen echte Gefahren und Risiken im Raum, dann bedarf es einer ruhigen intelligenten Antwort, die nicht durch Denken an Vergangenheit und Zukunft, durch Angst und Gier vernebelt wird.

Wenn es einfach darum geht, einige praktische Dinge für die Zukunft zu klären und zu erledigen, so tue ich dies dann, wenn der rechte Zeitpunkt dafür da ist. Verbrauchen wir nicht viel Lebensenergie in fruchtloser Denkerei?

2. Ich achte darauf, wenn ich über andere Menschen nachdenke.

Das Nachdenken über einen anderen erwachsenen Menschen, der sich selbst äußern kann, ist die Wurzel der Gewalt unter uns. Lassen Sie uns diese heftige Aussage etwas genauer betrachten: Solches Nachdenken bedeutet, dass ich in meinem Kopf mir eine Vorstellung von seinem/ihrem Innenleben konstruiere. Sein/Ihr Innenleben ist aber etwas ganz Anderes als meine Vorstellungen darüber. Nur der Andere selbst kann mir etwas von sich zeigen. Ich denke über Andere nach, wenn irgendein Problem auftaucht. Damit lenke ich mich aber von meinen eigenen Empfindungen und Gefühlen ab und lerne mein Problem mit der Situation nicht kennen. Zugleich werde ich ihn/sie auch nach meinen Vorstellungen behandeln. Selbst wenn ich eine vermeintlich gute Absicht habe, nehme ich ihn/sie nicht wirklich wahr, eben weil ich mit meiner Vorstellung von ihm/ihr beschäftigt bin. So ist das Nachdenken über das Innenleben eines Anderen die Grundlage von gegenseitiger Manipulation, bis hin zum Ausnutzen und Ausbeuten, während ich mir zugleich nicht bewusst bin, was mit mir selbst los ist.

Natürlich werde ich weiterhin über praktische Probleme eines Anderen nachdenken oder mich mit dem konkreten Verhalten eines anderen Menschen auseinandersetzen. Es ist lebensnotwendig, sich gegenseitig zu unterstützen. Es kann auch notwendig sein, mich vor seinem Verhalten zu schützen. Jeder kann nur selbst feststellen, ob die gedankliche Beschäftigung mit dem Anderen Gemeinsamkeit oder Trennung produziert.

Wenn ich nicht mehr über Andere nachdenke, entsteht nicht Gleichgültigkeit. Denn Gleichgültigkeit beinhaltet ein Urteil, dass der Andere für mich nicht interessant ist. Wenn ich nicht nachdenke über den Anderen, dann ist Achtsamkeit da, für das, was Anwesende aktuell sagen und tun und/oder was in mir selbst vor sich geht.

Wenn ich mir keine Vorstellungen von anderen mehr mache, verliere ich auch meine Vorstellungen von mir selbst. Mein Selbstbild, das aus den Meinungen der anderen über mich besteht, wird nicht mehr gefüttert.

3. Wir helfen uns gegenseitig dabei.

Bei dieser Entdeckungsreise unter Freunden gerät man möglicherweise auch an verschiedene Klippen. Manchmal fällt es uns schwer, nicht über Vergangenheit und Zukunft sowie über andere Menschen nachzudenken. Wir denken dies dann automatisch und zu einem erheblichen Teil unbewusst. Oft ist es ein Anzeichen von Not, weil kein anderer Ausweg gesehen wird als das Grübeln über Vergangenheit, Zukunft und andere Menschen.

Wir halten die Unmittelbarkeit im Gespräch miteinander für notwendig. Wir wollen lernen, keine Gefühle und Empfindungen herunter zu schlucken, weil sie irgendwann auf ungute Weise sowieso wieder hochkommen.

Wir halten die Wahrhaftigkeit im Gespräch miteinander für notwendig. Wir wollen lernen, ohne Berechnung und ohne Taktieren, wie der oder die Anderen reagieren könnten, zu sprechen.

Auch wenn wir wissen, dass jeder für seine unangenehmen Gefühle selbst zuständig ist, werden durch die Unmittelbarkeit und die Wahrhaftigkeit unweigerlich Konflikte zwischen uns entstehen, weil die verdrängten Gefühle spürbar werden. Das ist dann die Nagelprobe, ob jeder bei einem solchen Konflikt auf sich selbst schaut oder ihn doch in der alten Weise nach außen trägt.

Für die Lösung der eigenen Probleme, für die eigene Veränderung, ist jeder vollständig allein verantwortlich.

Wenn wir uns zusammenfinden, die wir diese Zusammenhänge erst einmal von der Logik her wirklich begriffen haben, können wir uns gegenseitig auf die alten Muster aufmerksam machen. Beim Anderen bemerken wir dies meist viel besser als bei uns selbst. Wir begegnen uns auf eine neue Weise, indem jeder nur über das spricht, was er bei sich empfindet, während er einem Anderen aufmerksam zuhört. Jeder öffnet sich, soweit es ihm möglich ist und soweit er es möchte. Macht es dann noch Sinn, Fragen über das Innenleben an die anderen zu stellen, Äußerungen über andere zu machen und Begründungen und Erklärungen zu erwarten? Doch was jeder von sich zeigt, ist zugleich Anregung für die anderen zur Klärung der eigenen Probleme. Schließlich haben wir im Kern immer die gleichen Probleme, die alle Menschen haben, Angst, Gier, Eifersucht, Neid, Trauer, Wut, Ärger usw.

Wir brauchen nicht Vertrauen als Vorschussleistung und einen Schutzraum für die eigenen Probleme. Es steht jedem frei, über sich soweit zu sprechen, wie er möchte.

Wenn sich im persönlichen Umgang miteinander Andersleben entfaltet und die Versuche, den Anderen zu beeinflussen, aufhören, dann kann dieses Bewusstsein zu einer neuen Art des Umgangs miteinander führen und sich ausdehnen.

Wenn jeglicher Druck in den Beziehungen zu anderen Menschen aufhört, ist natürliche Freundschaft da. Die Liebe und Intelligenz zwischen uns wird nicht mehr gestört.



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